Montag, 31. Juli 2017

Natureum Niederelbe


Warum in die Ferne schweifen, wenn man die eigene Heimat nicht richtig kennt? Daher beschlossen wir im Mai dem Natureum in Balje den lange geplanten Besuch abzustatten.


Ein Grund war die derzeit laufende Sonderausstellung "Eiszeit - Leben im Extrem", die bestens zu unserem Ausflug nach Hamburg passte. Damals besuchten wir "Eiszeiten" im Archäologischen Museum und im Museum für Völkerkunde.

Das Oste-Sperrwerk
Küstenwelle (eröffnet 2014)

Das Natureum liegt zwischen Cuxhaven und Hamburg im Landkreis Stade neben dem Oste-Sperrwerk, dem es auch seinen Standort verdankt. Aus dem Aushub für das neue Flussbett entstand die Halbinsel, auf der das Natureum steht. Seit 1990 entwickelte sich das Museum mit Vogelwarte kontinuierlich zu einem "Lernort für nachhaltige Entwicklung" mit "Küstenzoo" und Elbe-Küstenpark. 



Schon das Eingangsgebäude, die Küstenwelle, weiß zu überraschen. Wer erwartet hier an der Elbe das Skelett eines Pottwals? Der Bulle strandete 1997 in Cuxhaven und fand hier sozusagen seine letzte Ruhestätte und erinnert daran, wie die Norddeutschen früher unter anderem ihren Lebensunterhalt verdienten




Der Eintritt war schnell bezahlt und bevor es wieder nach draußen ging, lohnte sich der Blick auf die Terrarien und Aquarien, die einen Vergleich zwischen der Lebenswelt im Wattenmeer und im Mangroven-Wald darstellen.



Ich weiß nicht, was ich erwartet habe, aber junge Obstbäume und Blumenwiesen bestimmt nicht. Immerhin sollen auf den ca. 10 Hektar des Parks rund 200 Tiere in 42 Arten untergebracht sein. Spätestens beim ersten Infostand machte es dann klick: Das sind besondere "Gehege".


Was für uns Stadtmenschen nicht besonders offensichtlich ist, entwickelt sich jedoch langsam aber sicher zur ernsten Bedrohung: Das Bienensterben und Aussterben weiterer wichtiger Insekten. In unseren aufgeräumten Landschaften und Gärten finden die Insekten immer weniger Nahrung und Unterschlupf. 

Schon eine blühende Wiese, die nicht gemäht wird, oder Bäume und Sträucher mit unterschiedlichem Blühdatum helfen. Und wenn dann auch ein toter Baum stehen- bzw. liegenbleiben kann, dann haben auch andere Krabbeltierchen eine Chance. Ganz abgesehen davon, dass das auch die Pflanzenvielfalt fördert.

Rundbogenhalle

Die Eiszeit-Ausstellung befindet sich in der sogenannten "Rundbogen-Halle", die eher an eine Notunterkunft nach dem zweiten Weltkrieg erinnert als an eine Ausstellungshalle. Im Inneren ist die Umwelt zur Zeit des "Pleistozäns" dagegen sehr lebendig nachempfunden. 


Mammut, Wisent und Riesenelch sind ebenso vertreten wie Luchs, Schneeeule und Schneehase. Natürlich fehlen auch nicht die Spuren der Menschen, die in dieser feindlichen Umgebung überlebten. 


Wer Löwe, Leopard und Hyäne nur in der Savanne erwartet, wird hingegen überrascht sein, diese Arten auch in der Ausstellung vertreten zu sehen.







Sehr nachdenklich ging ich auf den weiteren Rundgang. So vielen der Arten, die hier gezeigt werden, begegnet man in Tierparks und Zoos und macht sich nicht klar, wie lange sie schon überlebt haben. Und wie viele davon stehen inzwischen auf der "Roten Liste"...

Und bevor wir ganz in die Gegenwart zurückkehren, fällt der Blick noch auf die Steinzeit-Hütte mit Feuerplatz.

Das Zwergotter-Gehege
Die Exoten unter dem Tierbestand, die Zwergotter, zogen es vor im Verborgenen zu bleiben. Dafür waren die Ziegen und Esel aufgrund der geringen Besucherzahl extrem scharf auf unsere Futtertüren, die wir am Eingang vorausschauend mitgenommen hatten.


Die "Erna Becker", ein über 100 Jahre alter Hanenkutter, erinnert an die ausgestorbene Methode des Tiden-Fischens.

Parallel dazu waren unterschiedliche Beete mit Blumen, Kräutern und Gemüse angelegt. Dazwischen laden kleine Info-Pavillons zum Verweilen ein. Hier wurde also auch an plötzliche Regenschauer gedacht.


Wartest du auch auf die Mocambo?
Da wir am Nachmittag da waren, konnten wir leider einen besonderen Service nicht nutzen. Nur wenige Schritte von hier kann man in der Hauptsaison mit einem Ausflugsschiff namens "Mocambo" noch mehr über das Naturschutzgebiet erfahren und dabei vielleicht sogar Seehunde beobachten.





Vorbei an Skudden und Holsteiner Kaltblütern, ging es an der Oste entlang und durch den Wald zur Vogelbeobachtungsstation. Wettergeschützt kann man hier verschiedene Zug- und Wasservögel oder Containerschiffe auf dem Weg nach oder von Hamburg beobachten. Wir hatten jedoch relativ wenig Glück. Immerhin sah ich auf dem Rückweg das erste Mal bewusst eine Rohrweihe. 







Europäische Nerze und Weißwangengänse leiten uns anschließend zum Hauptgebäude, in dem sich neben einem kleine Restaurant weitere Ausstellungen zum Thema Bernstein und Flora und Fauna an der Niederelbe befinden.
Lieber hätte ich statt der ausgestopften Exemplare allerdings lebendige gesehen. 



Es lohnt sich übrigens bis hoch in den Turm zu steigen. Die Aussicht ist wundervoll.


Am Ende des Rundwegs kamen wir dann noch am (zu diesem Zeitpunkt geschlossenen) Öko-Pavillon vorbei. Den Stallhasen kam das sehr zupass, hatten sie doch ihre Ruhe. Hand aufs Herz: Wann habt ihr das letzte Mal in oder an einem Streichelgehege etwas gelernt, dass ihr später noch einmal brauchen konntet? Uns ist genau das passiert. Oder wisst ihr, vorher Spanien seinen Namen hat?


Fazit: "Man schützt nur, was man kennt" - diesem Prinzip wird hier Rechnung getragen. Selten konnten wir uns so intensiv quasi im Vorbeigehen mit einem Naturschutzgebiet beschäftigen wie hier. Für kleine Kinder ist die Thematik vielleicht etwas zu anspruchsvoll, doch Ältere kommen voll auf ihre Kosten. 

Wir werden gerne zu verschiedenen Jahreszeiten wiederkommen, um zu sehen, wer hier die Ruhe und den Frieden genießt.

Wer noch mehr sehen will, findet das Album jeweils auf Facebook und auf Flickr.

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