Montag, 14. Juli 2014

Tierpark Neumünster: He's back - Kaps neues Heim

Kap, 2014
Er ist wieder zu Hause. 
Monatelang war das Gehege verwaist und es wurde fleißig gewerkelt. Seit Mai ist er jetzt wieder da: Kap hat sein neues/altes Revier unter die Pfoten genommen - und wird sich erstmal gewaltig umgeschaut haben. Hier erinnert nur noch wenig an früher.
Maika, 2009

Nach dem Tod der alten Eisbärin Maika (gestorben 2011) und dem Wechsel an der Führungsspitze des Zoos konnten die Pläne für die Neugestaltung der Anlage im Tierpark Neumünster ab 2013 endlich umgesetzt werden. Das Geld stand nach dem Rechtsstreit um das "Erbe" von Knut mit dem Berliner Zoo bereit.

Kap, 2009
Völlig veraltet, hätte das EEP einer Wiederaufnahme der Zucht auf dieser Anlage nie zugestimmt. Kap a.k.a. Kaplya ("Tropfen") ist mit seinen 14 Jahren schließlich im besten Eisbärenalter. Wenn auch mit einem Manko behaftet: In seiner Kindheit in Moskau ist sehr viel schief gelaufen. Kap hat eine ausgeprägte Stereotypie, auch Hospitalismus genannt, zurückbehalten. Schon bei unserem ersten Besuch 2009 hing am Gehege ein entsprechender Hinweis.
In dem kleinen Tropenhaus lebten im
Jaderpark vor Jahrzehnten
2 asiatische Elefanten
Stereotypie ist laut Wikipedia die ständige Wiederholung der gleichen Bewegungsabläufe und Wege ohne Sinn, Ziel oder Funktion. Die bekannteste Ausprägung ist z. B. das sogenannte Weben bei Pferden oder Elefanten. Die Ursachen liegen in Haltungsformen, die dem natürlichen Verhalten zuwiderlaufen. In unseren Zoos kann man sowas nur noch erahnen, wenn man alte Tierhäuser betrachtet, die aber inzwischen neue Verwendung gefunden haben (z. B. das ehem. Elefantenhaus, jetzt Tropenhaus, im Jaderpark, das jetzt die Zwergflusspferde beherbergt).


Das "Erkennungsmerkmal" von Kap
Die Bewegung wirkt beruhigend auf die Tiere und fördert den Stressabbau, ähnlich wie das Nägelkauen beim Menschen. Viele verwechseln leider bei Raubkatzen das Ablaufen der Reviergrenzen mit Stereotypie. Es ist also nicht immer genau zu erkennen, was was ist.

Bei Kap zeigt sich die Verhaltensstörung in ewig gleichen Wegen und beim Richtungswechsel das Hochwerfen des Kopfes. Nicht gerade ein Vorteil, wenn es um die zeitweise Abgabe an einen anderen Zoo geht, da sich dies vor den Besuchern nicht verbergen lässt. Doch der Erlebnis-Zoo Hannover nahm die Herausforderung an und brachte ihn im Nachbargehege zu Anuk und Sprinter in der Yukon Bay unter.
Kap, Februar 2014 in Hannover

Dort haben wir ihn bei unserem Besuchen im Februar und April beobachten können. Er hatte sich einen Dreieckskurs durch das bewegte Wasser gesucht und zog ihn ganz konsequent Bahn für Bahn durch. Dabei wirkte er jedoch entspannter als in früheren Zeiten. Die Beschäftigungstherapie der Tierpfleger schlug also an. Ob ihn die Nähe zu einem anderen erwachsenen männlichen Eisbären (Anuk oder Sprinter) nervös machte, kann ich nicht beurteilen.

Bei unserem Besuch Mitte Juni in Neumünster erlebten wir jedenfalls Kap so entspannt, wie ich ihn noch nie gesehen habe.


Der Grundriss ist soweit erhalten geblieben. Der Betonboden ist jedoch verschwunden und verschiedenen Belägen gewichen. Mutterboden, Schreddergut, Kies oder Sand laden zum Schnuppern und Erkunden ein. Zum Nachbargehege der alten Braunbärin Püppi/Big Mac (ihre Zwillingsschwester ist letztes Jahr im Alter von 29 Jahren gestorben) hat er jetzt Sichtkontakt. Und zum ausgiebigen Schwimmen stehen ihm gar gleich drei unterschiedliche Becken zur Verfügung. Waren die Unterwasserfenster früher ziemlich selten interessant, kommt der Eisbär jetzt öfters vorbei und sieht sich an, wer da steht. Und nicht nur im Berliner Zoo ist jetzt Spielen erlaubt.



Man merkt, mit wie viel Liebe und Sorgfalt die Planung umgesetzt wurde, und wie viel Erfahrung die neue Direktorin, Frau Kaspari, mit den empfindlichen Bären hat.

Bezeichnend eine Szene am Abend: Kap wartete vor seiner Tür auf den Tierpfleger. Dann überlegte er es sich anders und drehte noch eine Runde im Gehege.

Als er dann doch ins Haus trottete, schaute er noch einmal kurz um die Ecke, als ob er sich versichern wollte, dass dieses kleine Paradies auch morgen noch auf ihn wartet.



Die Bilder findet ihr auf Facebook und Flickr.

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